Inszenierte Portraitfotografie zum Thema WÜRDE 

Der Kulturladen Huchting beschäftigt sich in den letzten 2 Jahren intensiv mit dem Thema WERTE mit unterschiedlichen künstlerischen und kulturpädagogischen Mitteln. In vielen biografischen Interviews zu den persönlichen wichtigsten WERTEN, die u.a. auch mit sehr selbstbewussten, starken und emanzipierten Frauen geführt wurden, tauchte der Wert WÜRDE* in unterschiedlicher „Verkleidung“ auf. Die Frauen beschrieben, wie sie im Laufe ihres Lebens gelernt haben, dass es von großem WERT ist, Respekt vor sich selbst zu haben, Authentizität, Selbstachtung und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber zu haben, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und an sich selbst zu glauben.  Die meisten von uns (Frauen) haben sowohl in unserer Erziehung als auch in unserem Umfeld zunächst gelernt, mehr auf die Bedürfnisse Anderer zu achten als auf die eigenen. Viele von uns haben Haltungen angenommen, die uns „liebenswert“ im Sinne unserer Umgebung gemacht haben und so uns selbst oder einen Teil von uns selbst aufgegeben. So haben wir mehr darauf geachtet die WÜRDE anderer nicht zu verletzen als unsere eigene (Zitate aus den „WERTE Interviews“).

Viele Frauen bleiben nach wie vor „lieber in der 2. Reihe stehen“ und verstecken ihre WÜRDE! Die meisten von uns haben in ihrem Leben erlebt, dass ihre WÜRDE nicht „unantastbar“ ist, dass sie von außen verletzt wurde. Im Laufe des Lebens erfahren jedoch viele Frauen, dass es mindestens genauso entscheidend ist, nicht selbst die eigene WÜRDE zu verletzen. In unterschiedlichen Lehren zu den Archetypen ist die WÜRDE im Archetypus der Königin verkörpert: Selbstachtung, Selbstliebe, Schönheit als äußere (nicht im Sinne der gesellschaftlichen Erwartung an weibliche Schönheit) und innere Qualität. Sie übernimmt Verantwortung für sich, für ihre Fähigkeiten, für ihre Entscheidungen und Erfahrungen – sie steht zu sich! Sie verkörpert gleichzeitig Kraft und Gelassenheit. Sie hat das Feuer ihrer Weiblichkeit, ihre Liebe und Lebenslust ebenso stark entfaltet, wie sie energisch, zielgerichtet, willensstark und gewinnend ist.

Die Königin als Archetypus zeigt uns, unsere Welt nach unseren Vorstellungen zu gestalten – unsere „Macht“ nicht an anderen abzugeben, sondern sie zu unserem eigenen Wohl und dem Wohle anderer einzusetzen. Würde und Zwang stehen sich diametral gegenüber. Das bedeutet, ihr Wesenselement ist die Freiheit. Unter diesen beiden (äußeren und inneren) Aspekten will das Projekt „Königin WÜRDE“ Bremer Frauen aller Generationen, die schon lange hier leben oder gerade erst angekommen sind, fotografisch portraitieren – in einer Umgebung aufgenommen, die die Frauen selbst wählen – Es geht darum „der WÜRDE in uns selbst“ Ausdruck zu verleihen und ‘verkörperte Geschichten‘ zu erzählen unter der Fragestellung „Was bedeutet Würde für mich als Frau?“. Das Fotoprojekt will die „Königin WÜRDE“ einer jeden Projektteilnehmerin sichtbar machen, indem sich die Frauen ihrer Würde und der darin liegenden Kraft bewusst werden, sie ausstrahlen und öffentlich zeigen. 

Diese großformatigen Portraits sollen im ersten Schritt sowohl an Hauswänden in der Vahr im Rahmen der Veranstaltungen als auch bei der Endpräsentation im Rahmen des Projekts „Wir sind!“ projiziert werden – können aber auch in Huchting und in anderen Stadtteilen gezeigt werden.* „WÜRDE“ ist sprachgeschichtlich verwandt mit dem Wort “WERT“ Der Wert eines jeden Menschen ist uns gegeben mit dem Geborensein und unsere Selbstbestimmung macht unsere WÜRDE aus – dennoch ist der Begriff WÜRDE, geschichtlich und assoziativ eher mit dem Männlichen verbunden. In der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1948) sind alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander “im Geiste der Brüderlichkeit” begegnen. Doch erst in den späten 70ern wurde durch die UNO die „Dekade für Frauen: Gleichberechtigung, Entwicklung und Frieden“ ausgerufen mit dem besonderen Augenmerk die Menschenrechte auch als Frauenrechte zu betrachten. Nach wie vor sind Themen wie: häusliche Gewalt gegen Frauen, (jede vierte Frau in Deutschland hat mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Partnerschaftsgewalt erlebt) Zwangsprostitution, Frauenhandel, Vergewaltigungen, genitale Verstümmlung, sogen. Ehrenmorde, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz usw. aktuell und wenden sich in erster Linie gegen die WÜRDE von Frauen.


„Königin WÜRDE“ ist ein Beitrag im Rahmen des Projekts „Wir sind!“
unterstützt durch die Gewoba und den Senator für Kultur

Unter dem Titel „Wir sind!“ beschäftigt sich das Projekt mit dem psychologischen als auch mit dem gesellschaftlichen Hintergrund dessen, was „Frausein“ ausmacht. Was ist weibliches Verhalten, sowohl aus gesellschaftlicher als auch aus innerer Sicht? Wer sind wir und wer wollen wir sein? Wie können wir unsere Kompetenzen stärken und stolz auf unsere weiblichen Besonderheiten sein? Dabei geht es nicht mehr nur um Gleichberechtigung, die auch die Gefahr des Gleichmachens birgt, sondern auch um die Unterschiede. Wertschätzung von Vielfalt; gemeint auch die Wertschätzung der Unterschiedlichkeit der Geschlechter.

Wir sind ein Projekt, das Frauen in ihren individuellen Besonderheiten, ihrem Selbstwert, ihrer Selbstliebe, ihrer Würde, ihrer inneren Stärke und ihrem Auftreten unterstützt – es geht um die Stärkung der eigenen Fähigkeiten und des Bewusstseins um die eigenen Besonderheiten und um Vorbilder. Begegnungen zwischen mehreren Generationen unter den Frauen sollen gefördert werden, um generations-spezifische gesellschaftliche Entwicklungen/Änderungen gemeinsam künstlerisch zum Ausdruck zu bringen. Zum Projekt gehören 5 künstlerische Sparten, die in Kooperation zwischen Bürgerzentrum Neue Vahr, Künstlerinnen aus Bremen und Kulturladen Huchting durchgeführt werden. Gefördert wird unser Projekt von der Gewoba AG und dem Senator für Kultur in Bremen.